Mittwoch, April 27, 2005

Hotel Ruanda

Wir haben uns heute Hotel Ruanda angeguckt. Der Film thematisiert den Völkermord der Hutus an den Tutsis in Ruanda. Ein Ereignis, das man durchaus mit dem Holocaust vergleichen kann. Nur, im Gegensatz zum Holocaust, weiß kaum einer davon. Das ganze passierte 1994. In 100 Tagen wurden eine Millionen Tutsi und gemäßigte (meint: sich nicht an den Morden beteiligende) Hutus umgebracht. Zitat Wikipedia:
Die meisten Morde wurden mit der Machete durchgeführt, wobei oft auch Gliedmaßen abgetrennt wurden oder zuerst Verstümmelungen vorgenommen wurden, um die Opfer an der Flucht zu hindern, etwa ein Durchhacken der Achillessehne, damit das Opfer nicht mehr laufen kann, oder andere nicht tödliche Verletzungen. Das Morden mit der Machete ist eine körperlich anstrengende Tätigkeit, die deshalb zum Teil in organisierten Schichten durchgeführt wurde.


Besonders thematisiert wird neben der Schindlers Liste mäßigen Rettungsaktion des Hauptcharakters Paul, vor allem das Wegschauen des Westens.
Zwei Szenen tun besonders weh: Die Szene, in der ein westlicher Kameraman die Hoffnungen auf Intervention zerstört:
"Wie können sie nicht eingreifen, wenn sie solche Gräultaten sehen?"
"Ich glaube, wenn sie das sehen, werden sie sagen 'Oh Gott, das ist schrecklich' und dann ihr Abendessen weiter essen."
Und eine Szene, in der Paul die Taktik erklärt, mit der sie überleben: "Wir müssen sie beschämen, dass sie Hilfe schicken". Kurz vorher hatte er bei der belgischen Filliale der Hotelkette angerufen, um sich zu verabschieden und für die Unterstüzung zu danken. Erst dann kamen die Manger auf die Idee ihre Beziehungen spielen zu lassen.

Es ist ein Film, der politisiert. Der Film macht deutlich, was wir für eine Verantwortung haben. Gerade als Christen. Er wirft die Frage auf, wie wir diesen Eskapismus weiterführen können und unsere beschränkte Sicht der Welt beibehalten können. Und vor allem entlarvt er die Scheinheiligkeit der Gebete, die man dauernd hört: wie dankbar man doch Gott ist, weil es einem so gut geht und dass man nicht verfolgt wird. Wie zynisch ist es, so zu beten und dann mit den Schultern zu zucken? Gott gibt uns doch keinen Frieden und Luxus, weil er uns so toll findet. Damit sind doch Verantwortungen verknüpft...
Es tut mir Leid, wenn ich "preachy" werde, aber das bringt der Film nunmal mit sich...
Auf der Homepage des Films sind eine Menge Informationsmaterialien, außerdem sei nochmal auf die Dafur Krise hingewiesen, die sich zur Zeit abspielt. Ich würde den Film auf jedenfall empfehlen. Er läuft glaube noch im Kino.

3 Comments:

At 4/29/2005 4:31 PM, Anonymous Anonym said...

das es so eine Oase in mitten eines Ortes von Chaos und Anarchie geben kann, zeigt eine wirklich Großtat auf der man aufbaune kann und sollte...
und es zeigt die Kurzsichtigkeit der westlichen Industrienationen (und wohl auch der gesellschaft) und Dummheit..

ich habe den Film noch nicht gesehen,- dieser Zustand muss noch verändert werde-, aber ich denke man kann sich trotzdem über die momentanen Situation und die Konfliktfelder in Afrika sehr gut informieren..

->Frage: sag mal der Paul war doch mit der Un verbunden oder?

 
At 4/30/2005 12:57 AM, Blogger BON-Arne said...

Naja verbunden ist vielleicht zu viel gesagt. Er hatte Kontakte mit den kanadischen General der UN Mission General Roméo Dallaire. Diesem waren auch die Hände gebunden. Die UN konnte nicht eingreifen, weil die USA Veto eingelegt hatte. Die USA litt noch unter den Schock von Somalia (siehe: black hawk down)

 
At 9/01/2005 2:21 PM, Anonymous daniel said...

Zu den 2 "Wehmomente" die du ansprichst möchte ich noch zwei weitere hinzufügen.
Einmal die Situation als die Europäer abgeholt werden und die Tutsi verlassen am Rande stehen. Der GEsichtsausdruck war wohl kein Schock keine Überraschung mehr, sondern tiefste Trauer.
Zweitens die Situation als Paul seiner Frau bittet, Selbstmord mit der ganzen Familie zu begehen, wenn die Interahamwe Milizen das Hotel stürmen. Aus dem Grunde da er die grausamen Hinrichtungsszenarien gesehen hat.
Es ist eine der schrecklichsten Sachen (was ich mir vorstellen kann) seine eigene FAmilie zum Selbstmord zu bitten.
Die Szenen haben bei mir Wut, SChmerz und Scham ausgelöst.
Dazu hast auch das THema Beten angesprochen.
Als ich ein kleiner junge war habe ich in den Nachrichten Szenen aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg gesehen. Soldaten haben auf fliehende Zivilisten geschossen, von denen die meisten Kinder waren. Da habe ich gebetet, aber aus dem Grund weil ich keine anderen Ausweg zur Verarbeitung sah. Und ich kannte nicht einmal das Vater unser, ich wusste nur von meiner Oma, dass es jemanden da oben gab der hilft.

Das scheinheilige Beten ist ein Opfer der Veralltäglichung. Der Sinn und die Überzeugung fehlen. Es ist so wie das alltägliche Zähne putzen.
Wahrscheinlich ist das auch der Grund warum ich nie so richtig das Vater unser gelernt habe und in der Schule der einzige war, der es nicht richtig aufsagen konnte. Ich sah darin keinen Sinn.
Was hätte es mir gebracht, wenn der VAter uns BRot gibt, das wir schon haben, aber denen keines gibt die keines haben.
Dafür habe ich dann einen Strich bekommen.
Heutzutage bete ich nicht. Ich kann es nciht...vllt. aus dem Grund weil es scheinheilig wäre. Aber wahrscheinlich wohl aus diesem Grund, das dadurch die Dinge auch nicht besser werden.

 

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