Donnerstag, April 14, 2005

Multikultur: vom Melting Pot zum Salad Bowl

Auf Soomah - Dannys Blog - findet gerade eine interessant Diskussion über mutlikulturelle Gemeinden statt. Ich hab da schon einiges geschrieben.
Hier noch ein paar weitere Gedanken.
Erstmal ein Grundgedanke: In unserer Gesellschaft bricht die Mainstream Kultur weitesgehend weg. Leute, aus gleichen sozialen Hintergrund, mit der gleichen Hautfarbe, sind auf einmal grundverschieden. Es entstehen viele kleine Kulturen und Gruppen, die miteinander wenig zu tun haben. Diesen Prozess hab ich im Osten viel stärker erlebt, als hier im noch dörflich geprägten Ettlingen. Das könnte auch daran liegen, dass man sagt, das im Osten das stabilisierende Bürgertum fehlt- anyways, das wär ein eigenes Thema.
Jedenfalls müssen sich Gemeinden jetzt auf jedenfall Gedanken machen, wie sie mit der Situation umgehen. Überall beklagen Gemeinden Grüppchenbildung, die viel stärker sein soll, als vor 10 Jahren. Eine Frage ist: wie schlimm ist das und wie soll die Gemeinde mit den vielen Mikrokulturen umgehen?
Es gab in Amerika, dass sich ja als multikulutrell bezeichnet zwei Theorien über die Integration von Exilanten.
Zuerst herrschte die Idee vom Melting Pot vor: alle Exilanten werden in einen Topf geworfen, werden kräftig umgerührt und es kommt ein Einheitsbrei raus. Alle vergessen ihre Wurzeln, alle sind jetzt nur noch Amerikaner. Diese Idee klappte auch bei der erste Welle von Einwanderern, die größtenteils aus Europa kamen. Doch bei Aisaten wurde das dann schon schwerer.
Also stieg man um auf das Modell der "salad bowl". Verschiedene Zutaten werden in einen Salat Topf geworfen. Jeder gibt ein wenig Geschmack ab und nimmt Geschmack auf aber am Ende behällt jeder seine Eigenheit.
Vielleicht kann man das auf Gemeinde übertragen: Es wird diese Grüppchen einfach geben und das ist ok so. Solange ein gegenseitiger Repsket und ein Interesse an den anderen herrscht ist das ok, man sollte nicht zwangsmischen sondern vernetzen.

3 Comments:

At 4/14/2005 4:00 PM, Anonymous kapeka said...

Jo, und hier genau greift auch die Diskussion über emerging church ein, die auf dem EE-Blog geführt wird. Es kann nicht "das" Gemeindemodell geben, dass einen Großteil der Menschen ansprechen wird, weil es "die" eine Kultur nicht mehr gibt. Es gibt viel mehr sub- und picokulturen. Und eine Gemeinde muss vielleicht schon einige Blocks weiter ganz anders aussehen.
Ich selber denke, die Idee der totalen Integration, des meltingpots, war immer nur ein ideal, das fast unerreichbar ist. Zumindest bei dieser Masse an Menschen, die zu integrieren wären. Ich selber bin in Polen geboren und wohne seit '88 hier und hatte das Glück, gut integriert worden zu sein. Aber das wird immer seltener. Ich denke, wir werden uns mehr an die Salatschüssel gewöhnen müssen. Das heißt aber nicht, das es hier die Gemeinde für die Türken, hier die Gemeinde für die Russen und hier für die Deutschen gibt. Ich denke Multikulturalität ist auch innerhalb der Gemeinden eine begrüßenswerte Sache. Wenn es in der Gemeinde nicht möglich ist, dass Menschen verschiedener Nationen zusammenleben, wo dann? Aber Spannungen darüber gab es schon in der Urgemeinde. Es ist eine Herausforderung, die aber Horizonterweiternd ist. Ich bin echt froh, dass ich sowohl die deutsche, als auch die polnische Kultur kenne. Das erweitert meine Perspektive. Vielfalt ist spannend.

GFS

 
At 4/14/2005 11:12 PM, Blogger Josha Eisenhut said...

Gemeinde war schon immer ein Konstrukt in Europa, in welcher Monokultur herrschte, wenn man M. Bischoff (Theologie der Stadt) glauben darf.
Aus der Gemeindepraxis kann ich sagen, dass ich eine multikulturelle Gemeinde nicht wirklich für möglich halte. Das scheitert leider am Faktor Menesch.

 
At 4/15/2005 5:47 PM, Blogger BON-Arne said...

Also ich denke multikulturelle Gemeinde ist keine Struktur oder kein Programm, dass man so schnell anfängt, sondern viel mehr ein Wert, der im Bewußtsein der Leute verankert wird: "Wir reagieren auf Fremdes mit Neugier nicht mit Abwehr.". Das ist sone Art Vorbereitung darauf, wenn mal ein Typ seinen türkischen Freund mtibringt und das auch einige Probleme bringt. (genauso denkbar sind ja Leute aus nen homosexuellen Hintergrund oder so).
Aber ich denke nicht das dieser "outreach" Gedanke passé ist. Ein Beispiel ist meine ehemalige Rellilehrerin, die eines Tages beschloss, sich jetzt mal für die Probleme von Asylanten zu interessieren und "unter ihnen gearbeitet hat". Von da aus ist es nicht mehr weit, solche Leute in der Gemeinde zu integrieren. Dieses Inkarnations Dingens heißt ja nicht nur "unter denen zu leben, die man eh leiden kann" sondern kann auch bedeutet "unter denen zu leben, wo Gott einen hinschickt" selbst, wenn man erstmal gar nicht so Wahnsinnig viel von denen hällt (siehe Jona).

 

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